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Sammlungsgeschichte
Auf dem Schlossberg der thüringischen Stadt Gotha thront seit mehr als
350 Jahren der Friedenstein – die größte frühbarocke Schlossanlage
Deutschlands (errichtet 1643-1654). Der dreiflügelige Bau mit zwei
pavillonartigen Türmen beherbergt in seinen Mauern nicht nur die
Landesforschungs- und Universitätsbibliothek Erfurt/Gotha sowie eines
der ältesten noch bespielbaren Barocktheater Europas, sondern auch
bedeutende Kunstsammlungen, die aus der Kunstkammer der Herzöge von
Sachsen-Gotha-Altenburg hervorgegangen sind.
Die Kunstkammer wurde von Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha
(reg.1640-1675), dem Bauherren des Schlosses Friedenstein,
begründet. |
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Herzog Ernst I. von
Sachsen-Gotha-Altenburg, Marmorrelief ,1674 |
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Die Bezeichnung Kunst
Cammer fand in den Friedensteinischen Kammerrechnungen von 1653
erstmals Verwendung, so dass dieses Jahr als Gründungsdatum angenommen
werden kann. Die Kunstkammer war im zweiten Obergeschoss des
Westturmes untergebracht. Das Inventar von 1657 führt vier große
Bestandskomplexe der Kunstkammer auf: Artificialia, Naturalia,
Anatomica sowie Architectonica. Die in zwölf Unterabteilungen
gegliederte Artificialia umfasste mit annähernd 1150 Objekten mehr als
die Hälfte des Gesamtbestandes.
Unter den Nachfolgern Herzog Ernsts I. wurden die Sammlungsbestände
stetig erweitert. Nachdem bereits im Jahr 1712 das Münzkabinett aus
der Kunstkammer herausgelöst und der herzoglichen Bibliothek
angegliedert worden war, kam es im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts
zur weiteren Separation einzelner Kunstkammerbestände und damit zur
Bildung einer Gemäldegalerie, eines Naturalienkabinetts und eines
Chinesischen Kabinetts. Die Kunstkammerbestände wie auch die späteren
eigenständigen Sammlungen waren bis in die zweite Hälfte des 19.
Jahrhunderts in Räumen über dem Hoftheater im Westturm des Schlosses
untergebracht.
Zur zeitgemäßen Präsentation der Kunstwerke ließ Herzog Ernst II. von
Sachsen-Coburg und Gotha (reg.1844-1893) vis-à-vis des Schlosses
Friedenstein einen Museumszweckbau errichten, der 1879 eröffnet wurde
und die Kunstsammlungen bis 1945 beherbergt hat.
In der Zeit der Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg erlitten die 1928 in
den Besitz der neugegründeten Stiftung für Kunst und Wissenschaft
übergegangenen Gothaer Sammlungen schwere Verluste. Zunächst kam es
unter den Augen der US-amerikanischen Besatzungsdienststellen zu
Diebstählen wie auch zu illegalen Verkäufen durch Museumsmitarbeiter.
Später wurden die Sammlungsbestände komplett als Beutekunst in die
damalige Sowjetunion verbracht und kehrten in den Jahren 1958/59 nur
zu etwa 80 bis 85
Prozent wieder nach Gotha zurück. 1949 wurde in den historischen
Räumen des Friedenstein das Kulturhistorische Schlossmuseum
eingerichtet und in den leerstehenden Museumsbau am Park zog das
Zentralmuseum für Biologie und spätere Museum der Natur ein. |
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Reitschmuck – Geschenk des russischen
Zaren |
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Herzog Ernst I. und
Russland
Neben den Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen zählte Herzog Ernst
I. von Sachsen-Gotha-Altenburg zu den ersten deutschen Regenten, die
diplomatische Kontakte mit Russland unterhalten haben. Der Gothaer
Herzog sagte Zar Alexej Michailowitsch (1629-1676), dem Vater Peters
des Großen, Unterstützung bei der Gründung eines
Bündnisseschristlicher Fürsten gegen die Mohammedaner zu. |
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Gleichzeitig setzte er sich für die lutherische Gemeinde in Moskau
ein, der er großzügige Spenden zukommen ließ.
Im Jahr 1674 kam es zu gegenseitigen Besuchen diplomatischer
Gesandtschaften, wobei auch kostbare Geschenke ausgetauscht wurden. So
gelangte beispielsweise ein mit Türkisen besetzter Reitschmuck als
Geschenk des russischen Zarenhauses in die Friedensteinische
Kunstkammer. |


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